Ein Abend zum Vergessen
Nach Niederlagen vermeide ich es meist, hier im Blog Worte zu finden. Aber das muss nach diesem Spiel gegen Tennis Borussia einfach sein. Es rumort beim beschaulichen Kiezverein ganz gewaltig, sowohl sportlich als auch neben dem Platz. Und man muss sich zu diesem Zeitpunkt wohl die Frage stellen, wo das Ganze hinführen soll.
Zunächst zum Sportlichen: Babacar N'Diaye erzielte am 6.6. den Siegtreffer zum 1:0 gegen Sachsen Leipzig. Seitdem sind fast drei Monate vergangen, die Spiele gegen Energie Cottbus (0:0), Bayer Leverkusen (0:1), Hertha BSC II (0:0) VfL Wolfsburg II (0:0) und Tennis Borussia (0:1) vor heimischem Publikum sind gelaufen und es fiel kein Tor für die Blau-Weißen. Kein Einziges! Kein einziges Heimtor seit drei Monaten. Bei sieben Stürmern im Kader.
Konnte man das gegen Cottbus und Leverkusen noch leicht verschmerzen, bleiben jetzt wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg liegen. Überhaupt der Aufstieg, lohnt es sich denn noch darüber zu reden? Und an was ist die Misere überhaupt festzumachen, schließlich ist nicht nur Abschlussschwäche zu attestieren, es werden schlichtweg auch fast keine Chancen herausgespielt. Die drei Auswärtstreffer in dieser Saison resultierten alle aus Standardsituationen.
Glaubt man dem, was so in den Foren zu lesen ist, ist das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nicht in der Form intakt, wie es das sein sollte. Näher möchte ich darauf gar nicht eingehen. Ich schätze Dietmar Demuth, aber wenn man nicht in Zipsendorf gegen Aufsteiger Meuselwitz gewinnt, dann treten auch für ihn die Mechanismen des Geschäfts in Kraft, heißt, es wird eng. Von Außen ist das alles unerklärlich, wie man mit der Mannschaft, die man nahezu in Gänze zusammengehalten und punktuell verstärkt hat, nun diesen Saisonstart abliefern konnte.
Doch das war leider nicht das Schlimmste an diesem Mittwochabend. Wie ich im Lila Kanal nachlesen durfte, sind bei den Einlasskontrollen im Gästeblock derart befremdliche Dinge vorgefallen, die nicht nur das Image von Nulldrei nachhaltig schädigen werden, sondern auch für einen "weltoffenen Verein" (Zitat Eintrittskarte) wie Nulldrei nahezu abscheulich sind. Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass das Verhaltnis zu den Lila Weißen nun nicht gerade das schlechteste ist, was selbst die Staatsmacht dazu bewog den Kiez nicht mit Ordnungshütern zu pflastern.
Aber was tun "unsere" Ordner? Da werden Menschen, und damit meine ich sogar Rentner und Behinderte, dazu genötigt ihre Schuhe auszuziehen, Gürtel und Taschen ohne jeglichen Pfandschein abzugeben, ja, in Babelsberg sind sogar Hygieneartikel für Damen im Gästebereich untersagt. Das Ganze noch garniert mit einer Reihe von verbalen Bedrohungen und Beleidigungen. Es ist ja nun nicht das erste Mal, dass der Ordnungsdienst in Babelsberg negativ auffällt - und ich muss sagen, Konsequenzen sind endlich fällig.
Es wird Zeit zum Handeln, in den letzten Monaten ist viel Befremdliches im Verein passiert, an dieser Stelle sei beispielsweise an den eigenwilligen Umgang mit den Geldern aus dem Konjunkturpaket erinnert, mit denen ganz ursprünglich ja mal auch die Trainingsbedingungen verbessert werden sollten. Jetzt stehen auf der Agenda Dinge wie ein neuer Zaun um das Stadion, eine Videoüberwachungsanlage und eine Rasenheizung. Ob das dem Verein sportlich auch nur irgendeinen Mehrwert bringt, ist mehr als anzuzweifeln. Im Gegenteil, solche Anlagen wollen ja auch unterhalten werden und die dafür nötigen Mittel werden dann wohl im Personalbudget fehlen.
Quo vadis, Babelsberg 03?
Donnerstag, September 03, 2009 | Tags: Cottbus, Hertha, Karl-Liebknecht-Stadion, Konjunkturpaket, Leverkusen, N'Diaye, Nulldrei, TeBe, Wolfsburg | 2 Comments
Wahllose Gedanken - Part V
Ja, es ist mal wieder Zeit für wahllose Gedanken. Der Alltag hat mich wieder, der Urlaub ist schon seit einer Woche vorbei, die Studienarbeit wurde heute abgegeben, die To-Do-Liste lichtet sich langsam. Die zehn Wochen Schlafdefizit, besser bekannt als Vorlesung, sind wieder in vollem Gange. Dieses Semester hat es mich ganz besonders heftig erwischt, der umsichtige Stundenplaner hat es wohl ein bisschen zu gut mit den Frühaufstehern gemeint, heißt, es geht fast immer um acht Uhr los. Schrecklich!
Aber nun zu den Dingen, die die Welt bewegen. Das 13. Internationale Berliner Bierfestival zum Beispiel, das an diesem Wochenende sein diesjähriges Stelldichein mit der Karl-Marx-Allee gab. Leider war mein Wochenende so sehr durchgeplant, dass es nur zu einem dreistündigen Besuch am Sonntag langte. Das hat dann dementsprechend auch nur zu 10 neuen Bewertungen gereicht, zumal die ProBier-Krüge gestern leider schon ausverkauft waren. Aber immerhin konnte ich meine 400. Bierbewertung feiern.
Ein echtes Leckerli gab's dann auch noch, ein Rochefort 10, das sich jetzt im Keller bei gemäßigter Temperatur ein paar Tage ausruht, bevor ich es getrunken werden kann. Rochefort 10, das soll, glaubt man einschlägigen Bewertungen, das drittbeste Bier der Welt sein. Und da schon das Rochefort 8 von mir mit der Traumnote 10 bedacht wurde, habe ich daran eigentlich keinen Zweifel. Zudem verwahrt die Post im Augenblick noch ein Westvleteren 8 für mich, ein Bier jener Brauerei, die mit Westvleteren 12 die unglaubliche Durchschnittsnote von 9,06 aktuell erzielt und damit unangefochten die Wertung anführt. Zwei ganz besondere Trappisten-Biere der Zisterziensermönche warten also auf mich, das schreit förmlich nach einem goldenen belgischen Sommer.
Und dann rollt ja auch noch der Ball endlich wieder. Nach dem wunderbaren, wenn auch sportlich erfolglosen, Appetithäppchen am Freitag vor einer Woche, als die Werkself aus Leverkusen im Karl-Liebknecht-Stadion gastierte und letztendlich knapp, aber verdient mit 1:0 in die zweite Runde einzog, war es an diesem Freitag die zweite Garde der Hertha, die bei meinen Blau-Weiß-Bunten endlich die neue Saison eröffnete. Und ich war so guter Dinge im Vorfeld, hatte Nulldrei doch eine tolle Vorbereitung gespielt, die ersten dreißig Minuten bestätigten mich da auch. Doch dann schied der neue Regisseur in Reihen der Babelsberger, Anton Müller, verletzungsbedingt aus und mit ihm humpelte der Spielfluss von dannen. Am Ende 0:0, bedingt durch die eklatante Abschlussschwäche zu Beginn des Spiels und den mangelnden Offensivqualitäten im weiteren Verlauf. Hoffen wir, dass Anton Müller schnell wieder fit wird - gute Besserung!
Auch in Liga Eins ging es wieder los, recht überaschungsarm der Spieltag. Werders Niederlage mag zwar den einen oder anderen verwundern, doch ich habe sie auch nicht auf der Rechnung für diese Saison. Die Abgänge von Diego und Pizarro sind nicht durch Marko Marin und Tim Borowski zu kompensieren, da mangelt es einfach an Qualität. Die Bayern müssen sich dagegen wohl bei Babak Rafati bedanken, überhaupt einen Punkt aus Sinsheim entführt zu haben. Da läuft noch nicht viel rund, wie man ja auch vor Wochenfrist gegen Neckarelz gesehen hat. Neben Mario Gomez muss man abwarten, ob die vielen Neuverpflichtungen wirklich den Kader qualitativ verbessern können. Bei Pranjic kann ich mir das schon vorstellen, Baumjohann und Olic verstärken den Kader eher in der Breite, Tymoshchuk hat wohl keinen guten Stand bei van Gaal, auch Braafheid wusste bislang nicht zu überzeugen und mit Rückkehrer Görlitz rechne ich eh nicht so sehr. Paradox, dass Spieler wie Hamit Altintop und Mark van Bommel, über die lange Gerüchte kursierten, sie könnten den Verein verlassen, und Nachwuchsspieler wie Thomas Müller und Holger Badstuber die Gewinner der Vorbereitung zu sein scheinen.
Was gab's sonst noch am Wochenende? Ach ja, DJ SummerLeague hat mir erneut einen sehr netten Samstagabend beschert, dafür vielen Dank an ihn und den Kollegen aus der russischen Staatsduma.
Montag, August 10, 2009 | Tags: Bayern, Bier, Bierfestival, DJ SummerLeague, Hertha, Leverkusen, Müller, Nulldrei, Rochefort, Rock'n'Roll Highschool, Studium, Waschhaus, Werder, Westvleteren | 0 Comments
David gegen Goliath: SVB erreicht zweite Runde
Ich gebe zu, der Titel ist recht reißerisch gewählt, schließlich tritt morgen zum Pflichtspielauftakt der SV Bayer 04 Leverkusen im Karli gegen den SV Babelsberg 03 an. Da der Modus vorsieht, dass nach 90, möglicherweise aber auch erst nach 120 Minuten und allerspätestens nach einem Elfmeterschießen eine Mannschaft der strahlende Sieger sein wird und somit zweite DFB-Pokal-Hauptrunde erreicht, steht also schon, ohne dass irgendjemand gegen das runde Leder getreten hat, fest, dass ein SVB es sein wird.
Der Pokal hat ja seine eigenen Gesetze - dafür 3 Euro ins Phrasenschwein - und in der Geschichte wäre es beileibe kein Novum, wenn der David den Goliath aus dem Pokal kegelt. Dass auch Nulldrei dazu in der Lage ist, die Großen zumindest zu ärgern, dies bewiesen sie bereits mehrfach. So 1999, als man einen damaligen Bundesligisten, die Spielvereinigung Unterhaching, aus dem Wettbewerb (1:0) beförderte. 2006 war das Karl-Liebknecht-Stadion Endstation für den späteren Bundesliga-Aufsteiger Hansa Rostock (2:1). Im gleichen Jahr war dann nach einem umkämpften Spiel in Runde 2 der spätere Deutsche Meister VfB Stuttgart doch eine Nummer zu groß für Nulldrei (2:4). Im vergangenen Jahr scheiterte man erst nach der Verlängerung (1:2) am späteren Bundesliga-Aufsteiger und Pokal-Halbfinalisten Mainz 05. Knapp wurde es auch 1999 gegen Freiburg (2:4), 2001 gegen Hertha BSC (1:2) und 2002 gegen Borussia Mönchengladbach (0:1). Nur zweimal schied man deutlich aus, 2000 gegen Bochum (1:6) und 2007 gegen Duisburg (0:4). Die Vergangenheit gibt also Anlass zur Hoffnung auf eine spannende Partie.
Beide Mannschaften lieferten eine überzeugende Vorbereitung ab, Nulldrei konnte gegen die Zweitligisten Union Berlin (0:0), Energie Cottbus (0:0) und Rot-Weiß Ahlen (0:1) Achtungserfolge erzielen. Besonders die Defensive war abermals ein Garant für die guten Ergebnisse, aber auch im Spiel nach vorn zeigte sich das Team deutlich verbessert im Vergleich zur Vorsaison. Einzig der Torabschluss wollte noch nicht in der gewünschten Quantität gelingen.
Zeit, ein bisschen über die morgige Aufstellung zu philosophieren. Im Tor wird ohne Zweifel der neue Kapitän der Nulldreier, Marian Unger stehen. Trotz guter Leistungen in der Vorbereitung hat Ersatzmann Daniel Zacher derzeit keine Chance auf die Nummer 1. Die Innenverteidigung werden wie in der Vorsaison wohl Björn Laars und Ronny Surma bilden, Joan Oumari ist allerdings eine ernstzunehmende Alternative geworden. Auf der rechten Verteidigerposition sehe ich momenten Dennis Weidlich, der sich wieder einen Vorsprung gegenüber Rainer Müller erarbeitet hat. Auf der linken Abwehrseite denke ich, dass der Neuzugang aus Aue, Felix Dojahn, den Vorzug vor Matthias Rudolph und dem ebenfalls neu verpflichteten Onur Bayram (Türkiyemspor Berlin) bekommen wird.
Aufgrund des Gegners gehe ich von einer Doppel-6 aus, die Ex-Kapitän Almedin Civa und vermutlich der aus Chemnitz gekommene Anton Müller, der sich aus meiner Sicht in der Vorbereitung stärker als Julian Prochnow präsentiert hat, bilden werden. Davor geht die große Taktik-Frage los, die eigentlich nur mit einem echten Stürmer und somit drei Offensivkräften im Mittelfeld beantwortet werden kann. Ümit Ergirdi erscheint mir dabei ebenso wie Daniel Frahn gesetzt, wobei ich Letzteren eher in linken Mittelfeld als als Stürmer sehe. Bleibt noch eine Position im Mittelfeld frei, für die ich Patrick Moritz präferiere. Möglich allerdings auch, dass Erkan Kilicaslan ebenfalls ins Mittelfeld rückt. Eine defensive Alternative wäre es, Anton Müller zentral offensiv agieren zu lassen, wodurch doch noch ein Platz für Julian Prochnow freiwerden würde. Nach den Eindrücken der Vorbereitung denke ich nicht, dass Sven Hartwig oder Tobias Francisco für die Startelf in Frage kommen.
Vorn im Sturm gibt es die Qual der Wahl: neben Frahn, Francisco und Kilicaslan kommen für den freien Platz auch Clemens Lange, Nicolas Hebisch und Stefan Kutschke in Frage. Und ich habe keine Ahnung, wer es werden wird. Mir wäre Kilicaslan ganz recht, ich tippe allerdings eher auf Lange.
Und so formiert sich meine Wunschelf wie folgt:
Unger - Dojahn, Laars, Surma, Weidlich - Civa, A. Müller - Frahn, Moritz, Ergirdi - Kilicaslan
Für Kurzentschlossene dürften übrigens noch ausreichend Stehplatzkarten für das Spiel an den Stadionkassen verfügbar sein, im Vorverkauf wurden bisher über 4.000 Karten abgesetzt. Mein Tipp für die Zuschauerzahl beläuft sich daher auf gut 6.000, darunter etwa 400 Gästefans. Anpfiff ist übrigens 20:30 Uhr.
Und mein Tipp für's Spiel? Wenn ich gaaaaaaanz optimistisch bin, dann tippe ich, dass Leverkusen zu Beginn der zweiten Hälfte in Führung gehen wird. Der eingewechselte Julian Prochnow schießt uns dann per Distanzschuss in der 88. Minute doch noch in die Verlängerung, die allerdings nie stattfinden wird, weil Ümit Ergirdi in der zweiten Minute der Nachspielzeit einen Freistoß aus halblinker Position unter der Mauer hindurch und an René Adler vorbei ins Tornetz befördern wird.
Man wird ja wohl mal träumen dürfen...
Donnerstag, Juli 30, 2009 | Tags: DFB-Pokal, Karl-Liebknecht-Stadion, Leverkusen, Nulldrei | 0 Comments
Wir aus dem Osten gehen immer nach vorn - Schulter an Schulter mit...
...Eisern Union. Huch, was schreib' ich denn da? Nein. Nein! NEIN! Natürlich nicht. Aber man könnte es fast glauben, schließlich widme ich heute meinen fünfzigsten Post den Eisernen von der Wuhle. Ich wollte ja drum herum kommen, aber nun ist mein Besuch schon wieder über vier Tage her - und eh ich etwas Neues schreibe, da muss ich wohl das Alte erstmal abarbeiten.
Fünfzig Beiträge, find' ich ja nicht schlecht für gut fünf Monate Bloggen, auch wenn ich gerade in letzter Zeit gern mehr geschrieben hätte. Trotzdem freue ich mich über 171 unterschiedliche Besucher in den vergangenen dreißig Tagen, 373 waren es seit dem Start des Blogs. Natürlich muss man die Zahlen auch ein wenig relativieren, denn eigentlich werden ja damit nur PCs als unterschiedlich aufgefasst, die natürlich allein schon aufgrund einer veränderten Konfiguration oder eines veränderten Standorts zu neuen Besuchern werden können. Und das sind auch keine großen Zahlen, aber ich freu' mich natürlich schon darüber, wenn hier gelesen wird, was ich meiner QWERTZ-Tastatur - oder manchmal auch dem Handy - so zumute.
Also an dieser Stelle vielen Dank meinen treuen Lesern - stoßt mit mir auf die nächsten Fünfzig an! Ich tu' das mit einem Hohenfelder Pilsener, mein 375. zu bewertendes Bier übrigens.
Aber nun zurück zu den Eisernen. Am Sonntagnachmittag bei bestem Fußballwetter verschlug es mich zum zweiten Mal binnen einer Woche nach Köpenick. Das erste Mal, das war der Dienstag letzter Woche, ein müder Sommerkick meiner Nulldreier beim Köpenicker SC. Und am Sonntag dann meine Premiere im umgebauten Stadion "An der alten Försterei", im Folgenden "neue Försterei" genannt. Mein letzter Besuch dort ist schon gut zwei Jahre her. Beim einzig wahren Berlin-Brandenburg-Derby sprang damals, als beide Mannschaften noch drittklassig waren, ein 1:1-Unentschieden heraus. Heute trennen den Zweitligaaufsteiger Union Berlin und Nulldrei gleich zwei Spielklassen Differenz.
Ich war gespannt auf dieses Stadion, schließlich wurde es für siebeneinhalb Millionen in der vergangenen Saison saniert, fasst nun gut 19.000 Zuschauer und ist komplett überdacht. Möglich wurde diese kostengünstige Sanierung nur durch ein nie da gewesenes Engagement von über 2.000 Eisernen, die in 140.000 Arbeitsstunden aus der alten eine neue Försterei machten. Wenn man da an den eigenen bevorstehenden Stadionumbau denkt, für den 8 Millionen vorgesehen sind, dann kommt da schon ein gewisser Neid auf das Erreichte daher.
Das neue Försterei hat ihren ganz eigenen Charakter nicht eingebüßt, immer noch führen die selben Wege an der Wuhle vorbei zum Gästeeingang, wo am Sonntag mit sieben bzw. die ermäßigten Stehplätzler mit sechs Euro zur Kasse gebeten wurden. Für einen Zweitligisten passt das schon. Auch das Bier zu 2,90 Euro pro halbem Liter - auch wenn es Berliner Pilsener ist - völlig in Ordnung und damit sogar günstiger als im heimischen Karli. Als Pausenverpflegung wählte ich eine Bratwurst, über die wir aufgrund ihrer suboptimalen Farbgebung mal lieber einen Mantel des Schweigens hüllen. Da ist leider der gute alte Holzkohlegrill der elektrisierten Variante gewichen, mit der man offenbar noch nicht so recht umzugehen wusste. Aber auch hier mit 2 Euro ein bei entsprechender Qualität angemessener Preis.
Erklimmt man die Stufen hinauf zur Gästetribüne, erwartet einen ein reines Fußballstadion, wie es das schon immer war. Die Haupttribüne wirkt inzwischen zwar etwas verloren, da sie als Einzige beim Umbau wohl keine oder wenig Berücksichtigung fand und so optisch von den drei Stehplatztribünen doch arg erschlagen wirkt. Die Akustik ist wegen der Überdachung natürlich um ein Vielfaches verbessert worden, wenngleich die Ausprägung des Schalls im Stadion wohl noch etwas gewöhnungsbedürftig anmutet. Konkret: man bleibt akustisch unter sich, auch werden die Eisernen auditiv nicht mehr als Einheit, sondern nun deutlich geteilter wahrgenommen.
Zum Spiel: Es gab ein Wiedersehen mit Carsten Busch im Tor der Unioner, Karim Benyamina und Shergo Biran durften zumindest zeitweise im Sturm der Köpenicker ran. In der ersten Hälfte entwickelte sich ein recht ausgeglichenes Spiel, wohl aber mit einem Chancenpus für den Zweitligisten. In Halbzeit zwei konnten die Blau-Weißen immer weniger für Entlastung sorgen und das Spiel gestaltete sich somit etwas einseitiger. Dennoch war es abermals vor allem Marian Unger zu verdanken, dass die Null stand und am Ende man sich somit friedlich und torlos trennen konnte. Auch andere Spieler machten eine gute Partie, aus meiner Sicht vor allem Denis Weidlich mit einem ordentlichen Spiel, sodass ich die Mannschaft alles in allem als gut aufgestellt für den Kampf um den Aufstieg betrachte.
Auf dem Rückweg aus der Försterei gab es selbstverständlich die obligatorische Polizeieskorte, wobei das diesmal alles im Rahmen des Ertragbaren ablief, auch dank eines gut aufgelegten Einsatzleiters. Trotzdem muss man natürlich fragen, ob denn wirklich fünfzehn Mannschaftswagen und ungefähr ein Grüner auf zwei Blaue bei einem Testspiel eingesetzt müssen, um die zu diesem Zeitpunkt noch gut 150 Menschen vom Stadion in die Heimat zu begleiten.
Aber nun gut, am heutigen Freitag steht im Karl-Liebknecht-Stadion die Saisoneröffnung ab 18 Uhr an, wo es neben Freibier und einer Mannschaftsvorstellung auch ein Testspiel gegen Bundesliga-Absteiger Energie Cottbus zu bestaunen gibt. Am Sonntag dann der letzte Test beim Zweitligsten aus Ahlen, um dann hoffentlich bestens gerüstet ins DFB-Pokalspiel am kommenden Freitag zu gehen. Unter Flutlicht empfängt der SV Babelsberg 03 um 20:30 Uhr dann den ewigen Zweiten und amtierenden DFB-Vize-Pokalsieger, die Werkself von Bayer aus Leverkusen, das Ganze selbstverständlich auch live in voller Länge und in der Konferenz auf sky. Und eine Woche später gibt es dann ebenfalls am Freitagabend den Regionalliga-Auftakt gegen die Zweitvertretung der Hertha. Ich freu' mich drauf - endlich Schluss mit Sommerpause!
Und niemals vergessen: Drei zu Zwei!
Freitag, Juli 24, 2009 | Tags: Ahlen, Alte Försterei, Benyamina, Biran, Busch, Cottbus, Hohenfelder, Karl-Liebknecht-Stadion, Leverkusen, Nulldrei, sky, Unger, Union | 1 Comments
Quo vadis, ihr Bayern?
Heute war für die Bayern der richtige Tag, eine Serie zu starten. Taten sie aber nicht. Nullnummer in Bremen, eigentlich in Ordnung - wäre Werder nicht Elfter, hätte man nicht 75 Minuten in Überzahl gespielt.
Klar, die Bremer sind stärker, als es die Tabelle aussagt. Klar, es ist eigentlich nichts verloren, vier Punkte Rückstand auf die Hertha, Hamburg patzt, Hoffenheim patzt, Leverkusen patzt. Und plötzlich ist Wolfsburg ganz dick drin im Meisterrennen.
Zum Spiel:
Es fing gut an, die erste Viertelstunde versprach ein hochklassiges, temporeiches Bundesliga-Spiel. Bis Manuel Gräfe Naldo vom Platz stellt. Klar, den Platzverweis kann (vielleicht sogar muss) man bei konsequenter Regelauslegung geben, für mich legt es Schweinsteiger in der Szene aber auch drauf an. Danach war irgendwie die Luft raus, Gräfe hatte das Spiel nicht mehr unter Kontrolle. Unzählige falsche Abseitsentscheidungen auf beiden Seiten, Frings hätte seine fünfte Gelbe sehen müssen, Jensen hätte man für seine Grätsche in die Beine von hinten direkt vom Platz stellen können, aber auch hier nicht mal Gelb.
Schuld daran, dass die Bayern nicht gewonnen haben, war aber einmal mehr deren Ausrechenbarkeit, Ribérys Lustlosigkeit und die unglaublich schlechte Chancenverwertung - an dieser Stelle aber auch Kompliment für Bremens Ersatzmann Vander, der wohl das Spiel seines Lebens gemacht hat. Mehr zum Spiel drüben bei Breitnigge.
Im Tor müssen es sich die Bayern sich wohl noch einmal überlegen, ob man wirklich auf Michael Rensing baut. Er hat sich ohne Zweifel verbessert, auf der Linie hat er eine außergewöhnliche Klasse - nur in Sachen Herauslaufen sind seine Schwächen unübersehbar. Daraus resultieren zwar in der Regel keine Gegentore, die Unsicherheit sind ihm und der Abwehr aber anzumerken. Dazu kommen Abstimmungsschwierigkeiten. Ich denke, er kann es packen - aber das Kahn-Erbe ist sicherlich nicht das einfachste Los.
Die Abwehr ist wohl das größte Problem. Auf links fehlt ein Lahm-Backup, heute musste wieder Zé Roberto ran, der dort seine Fähigkeiten einfach verschenkt. In der Innenverteidigung spielt Demichelis nicht gerade seine beste Saison, Lucio hat sich zwar gebessert, aber ist immer für einen Patzer gut. Dahinter drängt van Buyten nicht wirklich in die Mannschaft, zumindest wenn man betrachtet, wie er seine Chance in der ersten Hälfte gegen Köln kläglich vergeben hat. Wann und ob Breno eine Gelegenheit erhält sich zu beweisen, steht in den Sternen. Auf der rechten Seite ist das größte Problemfeld, Lell konnte nicht an seine guten Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen, ist vor allem im Spiel nach vorn viel zu wirkungslos. Der ausgeliehene Oddo enttäuschte meist, ist jedoch hin und wieder für eine erfolgversprechende Flanke gut. Ich denke, für ihn ist im Sommer Schluss in München, ebenso wie für Lucio und/oder van Buyten.
Davor auf rechts Schweinsteiger, der nach gutem Saisonbeginn immer mehr nachgelassen hat und vor allem nach der Winterpause nicht zu alter Form zurückfindet. Kurzfristig dürfte ein Wechsel auf Altintop Sinn machen, wenngleich auch er heute nicht unbedingt glänzen konnte. Im defensiven Mittelfeld die Doppelsechs mit van Bommel und Zé Roberto - der wohl die Saison seines Lebens spielt. Anders van Bommel, der viele seiner Einsätze wohl seiner Kapitänsrolle verdankt, denn hier sind im Vergleich zu anderen Positionen mit Borowski und Ottl ernstzunehmende Konkurrenten vorhanden. Über die linke Seite braucht man nicht zu diskutieren, hier ist Franck Ribéry zweifelsohne gesetzt. Dass er mehr kann, als er derzeit zeigt, steht außer Frage. Für mich wird er leider immer mehr zur Diva, die sich auch gerne mit anderen Vereinen schmückt. Das ganze Spiel steht und fällt mit ihm, in letzter Zeit fällt es leider öfter und wird zunehmend ausrechenbarer.
Im Sturm gibt's neben der rechten Außenverteidigerposition wohl die zweite große Schwachstelle. Luca Toni konnte nicht an die Treffsicherheit der Vorsaison anknüpfen, Miro Klose ist eine Wundertüte. Mal taucht er das ganze Spiel komplett unter und macht trotzdem sein Tor, mal spielt er dermaßen uneigennützig, dass er selbst bei besten Chancen es vorzieht, noch einmal abzulegen. Da Lukas Podolski gedanklich wohl schon seine Tage in Köln plant und es müßig ist, eine Woche vor seinem Abschied noch über Landon Donovan zu diskutieren, fehlt hier völlig der Konkurrenzkampf, der die beiden zu besseren Leistungen bewegen könnte. Ob sich das mit Olic ändert, ich hab da so meine Zweifel.
Das 5:0 von Lissabon täuscht über vieles hinweg, Sporting hatte sich spätestens nach dem dritten Tor aufgegeben. Spielerisch war das keine Meisterleistung, aber ich dachte wieder die alten, effektiven Bayern gesehen zu haben. Dem war nicht so, wie sich heute zeigte. Ich gehe davon aus, dass man am Mittwoch in Leverkusen, respektive Düsseldorf, weiterkommen wird. Wichtiger ist aber das Heimspiel am nächsten Wochenende gegen Hannover - wenn man da nicht gewinnt, halte ich die Meisterschaft für ernsthaft gefährdet. Und auch Klinsmanns Stuhl wird dann mächtig wackeln.
Schade, ich hatte mir erhofft, Klinsmann packt's in München - aber noch ist ja nicht aller Tage Abend.
Sonntag, März 01, 2009 | Tags: Bayern, Gräfe, Hannover, Klinsmann, Köln, Leverkusen, Ribéry, Sporting, Werder | 0 Comments
